Hier findest Du einen Überblick jener stereoskopischen Betrachtungsverfahren, die für die Darstellung mit Hilfe eines Computers von Bedeutung sind.

Parallel- und Kreuzblick

Der Parallelblick (Straight-Eye-Viewing) und der Kreuzblick (Schieltechnik, Crossed-Eye-Viewing) erlauben das Betrachten von Stereobildern ohne technische Hilfsmittel wie z.B. Stereobrillen. Linkes und rechtes Bild werden dabei nebeneinander angeordnet: Befindet sich das linke Bild links, so spricht man vom Parallelblick, befindet sich das rechte Bild links vom Kreuzblick. Im ersten Fall fixieren die Augen einen virtuellen Punkt hinter der Bildebene (Augen stehen parallel), im zweiten Fall liegt der virtuelle Punkt vor der Bildebene (Augen schauen übers Kreuz auf die beiden Bilder).

Beide Methoden erfordern Übung vom Betrachter, einige Leute sind überhaupt nicht in der Lage, solche Bilder dreidimensional zu sehen. Bekannt geworden ist der Parallelblick durch die Buchreihe "Das Magische Auge". Leider ist die längere Betrachtung von Fotos mit diesen beiden Techniken für die Augen sehr anstrengend.

Anaglyphenverfahren

Das Anaglyphenverfahren ist eine weit verbreitete Methode und eignet sich für die Betrachtung von Stereobildern am Computer und in gedruckter Form. Außerdem wurde es früher oft in Kinos verwendet. Die Informationen für das linke Auge bilden den Rot-Anteil des Bildes, die für das rechte Auge den Blau- bzw. manchmal auch Grün-Anteil.

Anaglyphenbilder werden mit einer Rot-Blau-Brille (bzw. Rot-Grün-Brille) betrachtet. Bei einer solchen Brille befindet sich vor dem linken Auge eine rote und vor dem rechten Auge blaue (bzw. grüne) Folie, die das Bild "dekodieren".

Es gibt drei unterschiedliche Anaglyphenverfahren:

Farbananaglyphenbilder (Color Anaglyph): Hier bleiben die Farbinformationen teilweise erhalten, allerdings führt dieses Verfahren zu massiven Darstellungsfehlern, dass heißt, man sieht mit dem linken Auge auch Informationen, die eigentlich für das rechte bestimmt sind und umgekehrt (Geisterbilder). Die Brille muss aus einer roten und türkisen Folie bestehen. Die türkise Folie führt dem Auge sowohl den blauen als auch den grünen Kanal zu. Ich lehne dieses Verfahren aufgrund seiner Imperfektion ab. Beispiel für Farbanaglyphenbild
Graue Anaglyphenbilder (Rot-Türkis-Anaglyphenbilder, Grey Anaglyph): Das linke Bild bildet dabei den Rot-Kanal, das rechte Bild den Blau- und Grünkanal. Vorteil dieser Methode: Das dreidimensionale Bild lässt sich sowohl mit einer Rot-Türkis, Rot-Blau- als auch mit einer Rot-Grün-Brille betrachten. Nachteil: Die rote Folie in den meisten Brillen eliminiert den Grünanteil des rechten Bildes nicht vollständig, daher entstehen wieder Geisterbilder. Daher ist auch dieses Verfahren nicht der Weisheit letzter Schluss. Beispiel für Rot-Türkis-Anaglyphenbild
Echte Anaglyphenbilder (Rot-Blau-Anaglyphenbilder, True Anaglyph): Das linke Bild bildet den Rotkanal, das rechte den Blaukanal. Die Darstellungsqualität ist in der Regel perfekt. Geisterbilder sind, wenn überhaupt, nur schwach zu erkennen. Reine Rot-Grün-Bilder sind zwar auch möglich, sind aber erstens bei weitem nicht so sehr verbreitet wie Rot-Blau-Bilder, zweitens lassen viele rote Folien auch Grünanteile durch (Geisterbilder).
Als Nachteil der Rot-Bau-Bilder muss erwähnt werden, dass die Darstellung dunkler als bei den zuvor beschriebenen Verfahren ist, da der Grün-Kanal nicht vorhanden ist.
Beispiel für Rot-Bau-Anaglyphenbild

Shutterbrillen

Will man Stereobilder in Farbe betrachten, so kommt man um eine elektronische Brille (Shutterbrille) nicht herum (ausgenommen Parallel- und Kreuzblick, die aber für eine längere Betrachtungsdauer ungeeignet sind). Es gibt auf dem Markt eine Reihe von Modellen, hauptsächlich für Spiele unter DirectX und OpenGL entwickelt. Bei Stereo3D.com findest Du eine umfangreiche Marktübersicht der 3D-Brillen.

Das JPS-Format

Um ein Stereobild in Farbe zu betrachten muss man es natürlich auch farbig abspeichern. Dazu hat sich das Stereo-JPEG-Format durchgesetzt. Beim einem Stereo-JPEG-Bild (Erweiterung "jps") handelt es sich um eine gewöhnliche JPEG-Datei, die das linke und rechte Bild enthält (z.B. nebeneinander). Zusätzliche Informationen in der Datei geben an, wie linkes und rechtes Bild angeordnet sind.

Da eine JPS-Datei die vollen Farbinformationen enthält, lässt sie sich sowohl mit einer elektronischen Brille als auch im Anaglyphenverfahren betrachten. Dazu braucht man allerdings ein Programm, das beim Anzeigen auf dem Bildschirm das Anaglyphenbild erzeugt. Auch bei Verwendung einer Shutterbrille benötigt man natürlich ein spezielles Programm.

Ich empfehle, 3D-Bilder nicht direkt im Anaglyphenformat oder einem anderen proprietären Format abzuspeichern, da nur das JPS-Format Zukunftssicherheit bietet und z.B. einen unproblematischen Umstieg von Anaglyphen- auf Shutterbrille (oder irgendeine zukünftige Technik) ermöglicht.

Weitere Informationen

Es gibt noch viele weitere 3D-Verfahren, allerdings sind diese weniger für die Darstellung am Computer geeignet. Klicke hier für eine Übersicht über die besten Internetseiten und Programme zum Thema Stereoskopie.

Die beiden folgenden Links weisen auf Seiten von Stereoskopie.de:

Lexikon der Stereoskopie
Stereoskopische Betrachtungsverfahren und ihre Anwendungsgebiete

Letzte Änderung: 8.12.2002