Das räumliche Sehen

Menschen wie auch Tiere haben zwei Augen, mit denen sie die Welt wahrnehmen. Zwei Augen schützen den Mensch vor der Erblindung, falls die Funktion eines Auges verloren geht. Diese Redundanz erhöht die Überlebenschance in der Natur wesentlich.

Insbesondere ermöglicht uns das zweite Auge aber das räumliche Sehen. Durch den Abstand der beiden Augen sehen wir die Welt aus zwei leicht unterschiedlichen Perspektiven. Das Gehirn ist in der Lage daraus die Entfernung von Gegenständen abzuschätzen.

Allerdings werden für die Abschätzung der Entfernung noch zusätzliche Kriterien herangezogen, sodass auch ein Einäugiger in der Lage ist, die Entfernung eines Objektes zu beurteilen. Anhaltspunkte liefert z.B. die Größe bekannter Gegenstände. Je weiter diese entfernt sind, desto kleiner erscheinen sie und erlauben damit Rückschlüsse auf die Entfernung. Auch der mit der Entfernung zunehmende bläuliche Dunst der Atmosphäre erlaubt uns Vordergrund und Hintergrund zu unterscheiden.

Die stereoskopische Wahrnehmung funktioniert nur bei geringen Entfernungen gut. Ist ein Gegenstand zu weit entfernt, so unterscheiden sich die Bilder des linken und rechten Auges praktisch nicht mehr voneinander.

Räumliche Bildaufnahme und Wiedergabe

Die Stereoskopie beschäftigt sich mit der Aufnahme und Wiedergabe räumlicher Bildeindrücke. Für die Aufnahme dreidimensionaler Objekte wird dabei die menschliche Sehweise imitiert. Die Szene wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen, so wie auch die beiden Augen die Szene aus zwei Perspektiven wahrnehmen würden. Im Gegensatz zur festen Distanz der Augen kann der Abstand der beiden Aufnahmepunkte allerdings variieren. Ein vergrößerter Abstand (auch Stereobasis genannt) bringt auch räumliche Informationen weit entfernter Objekte zur Geltung. Kleinere Abstände werden für Aufnahmen im Makrobereich benötigt.

Zur Betrachtung müssen die beiden Aufnahmen wieder dem jeweiligen Auge zugeführt werden. Für diesen Zweck wurde eine Unzahl an Konstruktionen ersonnen, die an dieser Stelle aber nicht weiter erläutert werden.

Stereo und 3D

Das Wort "Stereo" kommt aus dem griechischen und bedeutet "räumlich". Es ist uns vor allem aus dem Musikbereich geläufig, Stereophonie steht dort für räumliches Hören. Eine Stereoaufnahme bietet zwei getrennte Kanäle für die beiden Ohren. Musik in stereo ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit, Stereoskopie hingegen nicht. Die Ursache ist, dass es mit zwei Lautsprechern relativ leicht ist, den beiden Ohren unterschiedliche akustische Informationen zuzuführen, bei den Augen gestaltet sich dies wesentlich schwieriger.

Der Begriff "3D" bedeutet "dreidimensional", und meint in der Regel, dass eine dreidimensionale Szene auf einem zweidimensionalen Medium (Papier, Bildschirm, usw.) abgebildet wird. Dies trifft z.B. auf Computerspiele, Animationen usw. zu. Spricht man von 3D, ist daher meist keine stereoskopische Darstellung gemeint sein, denn diese erreicht man nur, wenn unseren Augen Abbildungen aus leicht unterschiedlichen Perspektiven zugeführt werden.

Auf dieser Homepage wird der Begriff "3D" im Sinne von "stereoskopisch" verwendet.


Letzte Änderung: 8.12.2002